HU Travellers Meeting Germany-Autumn 2014

 

http://www.horizonsunlimited.com/events/germany-autumn-2014

Einen Überblick über die "presenter" und ihre Vorträge findet ihr oben unter dem Link. Ich fand jeden den ich gesehen habe gut, einige sogar überragend. Alle Vorträge habe ich aber nicht geschafft...schade nächstes mal mehr Sitzfleisch einpacken!

 

23.10.2014 Reise zum Motorradreisetreffen

Morgens gegen 10 Uhr besteige ich mein schwer beladenes Motorrad und fahre über die B8 in Richtung Süden. Ich folge dem Rhein auf der rechten Seite und schwimme im Verkehr mit. Um mich herum einige hektische Pendler und ganz viele Rentner mit A-Klasse und Golf Plus. Egal, ich habe es eh nicht eilig. Die Temperatur ist schon recht frisch und meine Griffheizung steht auf 75%, so  hoch wie sonst nie.

Pause am Rhein auf dem Weg zum Treffen

 

Bei Erpel, gegenüber von Remagen mache ich eine kurze Rast. Eine Tasse Kaffee und ein Butterbrot stärken mich und ich wärme meine durch gefrorenen Knochen. Danach geht es weiter auf der B42, immer am Rhein entlang bis Koblenz. Dort wechsle ich auf die linke Rheinseite und auf der B9 weiter bis Bingen. Von dort aus über kleine Straßen bis Pfrimmtal/Sippersfeld. Ich erreiche den abgelegenen Campingplatz gegen 15 Uhr. Dort suche ich mir eine Stelle um mein Zelt aufzubauen. Vorher kämpfe ich noch mit dem Motorrad, das auf der nassen Wiese mit den Ständern ein-sinkt und mir fast umgefallen wäre. Ein Brettchen für den Ständer hatte ich zu Hause vergessen. Ich entlade die Kiste so rasch es geht auf dem Seitenständer und mache mich auf die Suche nach einem Brettchen oder flachen Stein. Nach ca. 10 min. finde ich dann zum Glück etwas passendes und kann die Kiste auf den Hauptständer sicher abstellen.

Nachdem ich das Zelt aufgebaut habe, mache ich einen Rundgang und ein Paar Fotos. Es ist zwar schon später Nachmittag, aber ich bin noch einer der ersten. Auf den Fotos sieht man wie viel Platz dort noch ist. Später wurde es viel voller und es wurde auch noch in zweiter Reihe gezeltet.

Wie man auf den Fotos sieht, gibt es drei Ebenen zum Zelten. Der Toilettencontainer steht auf der untersten Ebene, rechts neben dem Trampolin. Das "Zirkuszelt" zum Essen und Trinken steht auf der mittleren Ebene, oben stehen nur Zelte. Das Lagerfeuer wurde auf der untersten Ebene gemacht, ganz am Ende des Platzes und auf den Fotos nicht zu sehen weil hinter mir.  

Im "Zirkuszelt" konnte man morgens frühstücken. Kaffee und Tee waren kostenlos, Bier und Glühwein wurden für "kleines Geld" verkauft. Neben dem Zelt war auch der Wasseranschluss. Dort füllte ich meinen 10l Wasserkanister und befestigte ihn dann auf meinem Gepäckträger. Das war sehr praktisch, zum Hände waschen oder Geschirr spülen und was sonst noch so anlag. Gegen 17 Uhr fuhr ich mit dem Motorrad zum nächstgelegenen Aldi, um Abendessen und Frühstück für den nächsten Tag zu besorgen. Mein Navi bot mir 3 Aldi´s an, alle 7,5km weit weg. Daher dauerte das Ganze dann doch eine Stunde und es war schon fast dunkel, bis ich zurück war. Ich zog mich wieder um und baute dann meinen Bushbox-Kocher auf, den ich testen wollte. Das Feuerholz besorgte ich im umliegenden Gebüsch. Es war leider ziemlich feucht, was sich noch als nachteilig erweisen sollte. Der Kocher brannte recht schnell und zog gut durch, aber leider gab es keine gute Glut. Erst war das Feuer zu groß, dann war es ab- gebrannt. Lag aber am Holz und an meinem Unvermögen, nicht am Kocher. Dann wurde es auch noch stockdunkel und ich konnte nicht mal die Würstchen auf dem Grill mehr sehen. Darum beendete ich mein Bushbox-Experiment und ging zu den anderen ans große Lagerfeuer zwei Etagen tiefer. Dort war das Feuer zwar größer, die Probleme aber fast die gleichen... die Würstchen, sie wurden zwar schwarz, aber das war nur der Ruß. Egal, mit einer halben Flasche Rotwein und mächtig Hunger schmeckt alles.

Nachdem ich meinen Hunger gestillt hatte und ausgiebige Benzingespräche mit den anderen geführt hatte, verzog ich mich in mein Zelt. Ich hatte bei der Wahl des Zeltplatzes leider nicht an das abendliche Lagerfeuer gedacht und erst recht nicht, dass die bis 3 Uhr morgen dort abhängen würden. Daher war es mit in Ruhe Schlafen leider nichts. Zum Glück wurde es dann sehr kalt und irgendwann verzogen sich auch die letzten von ihnen. Die Temperatur von unter 0° hatte ich nicht erwartet und mein +8°Schlafsack von Louis war dann doch zu dünn. Ich legte noch 2 Umzugsdecken oben drauf und überstand die Nacht unbeschadet. Wieder was dazu gelernt... +8° Schlafsack ist nur was für den Sommer!

Am nächsten morgen schien die Sonne. Das Eis auf den Zelten und Motorrädern taute ab und es wurde schnell warm. Ich hängte meinen Schlafsack zum Lüften über das Zelt und ging zum Frühstücken. Einige Kollegen waren auch schon wach und der Kaffee (Nescafé) lecker. Danach viele Gespräche mit Motorradreisenden aus aller Welt.

Später wurde es noch wärmer und man konnte in der Mittagssonne im T-Shirt herum laufen und in der Sonne baden. Einige Motorradfahrer hatten sich in Gruppen aufgemacht, die schöne Umgebung zu erkunden. Ich zog es vor, auf dem Platz zu bleiben. Erstens hatte ich noch genug vom Vortag, zweitens konnte ich mich so gut mit den anderen Campern unterhalten. Drittens hatte ich auch bedenken, mit BMW-GS Fahrern gesehen zu werden.

Vielleicht erkennt mich ein Yamaha-Fahrer... und fragt: Bist Du mit den GS-Fahrern gefahren? Nein, das war ich nicht!
Aber das war doch dein Motorrad... Ja, das hatte ich verliehen!

###nicht schimpfen, ich mache nur Spaß!##

 

Bis zum Nachmittag treffen noch zahlreiche weitere Motorradfahrer ein. Grob geschätzt sind fast die Hälfte aller Teilnehmer BMW-GS Fahrer. Die kleinste Maschine die ich finde, ist eine 250er Enduro. Sie gehört Tobi, einem recht bekannten "hardcore-low budget" Motorradreisenden. Er hat auch ein ähnliches "Billigzelt" wie ich. Ein toller Typ, der schon viel von der Welt gesehen hat, wie er am Abend im "Versammlungsraum" in seinem langen Vortrag erzählt.

Ich nutze die Gelegenheit, mir die Zelte der anderen Motorradreisenden anzusehen. Viele benutzen bekannte Markenzelte (Saleva, Hilleberg, MSR, Vaude) einige auch günstige von Louis/Polo. Es sind aber zum Teil auch richtig große Zelte dabei, 1,80m hoch mit großem Vorzelt und allem. Da kann man problemlos zu zweit im Campingstuhl drin sitzen und kochen und essen.

Mein altes Billigzelt hingegen nervt mit dem niedrigen Eingang. Jedes mal wenn ich aus dem Zelt krieche, komme ich mit dem Rücken an den Himmel des kleinen Vorzeltes. Der ist aber patschnass vom Raureif und ich bekomme immer einen nassen Rücken... ich hatte mir schon vorher Qualitätszelte von Wechsel, Everest1953 und Tatonka angesehen, die hatte aber keiner der anderen Camper. So konnte ich auch nicht nach ihren Erfahrungen mit diesen Zelten fragen.

Tobi meinte, mein "Billigzelt" wäre völlig ausreichend, ich sollte es behalten bis die Reisverschlüsse kaputt gehen oder die Sonne Stoff zerstört hat und mir dann das nächste "Billigzelt" zulegen. Zwei Jahre nutzen und weg schmeißen!

Ich hätte ja lieber ein richtig gutes und haltbares Zelt, aber die für 300€ von den bekannten Markenherstellern sind mir zu teuer!

 

Als es Abends dunkel wird und mein Magen anfängt wieder zu knurren, gehe ich zum Lagerfeuer und grille mir noch ein Paar Würstchen mit Knoblauchbrot. Danach gehe ich zum "Versammlungsraum" wo wieder einige Vorträge gehalten werden. Es sind ca. 70-100 Personen gekommen, dabei sind noch nicht mal alle da.

Danach gehen wir gemeinsam zurück, einige von uns ans Lagerfeuer. Heute Nacht ist es nicht mehr so kalt und so feiern viele noch bis zum Morgengrauen. Ich verziehe mich früher und falle in meinen Schlafsack.

 

Am nächsten Morgen treffe ich beim Frühstück auf Panny&Simon, zwei bekannte Kölner Motorradreisende, die inzwischen auch angekommen sind. Ich unterhalte mich eine Weile mit ihnen. Bisher kannten wir uns ja nur aus dem Internet. Sie sind seit einigen Monaten zurück von ihrer Weltreise, haben ein Buch geschrieben und halten Vorträge vor ausgewähltem Publikum. Abends wollen sie auch hier auftreten...

 

Am Abend sitze ich am Lagerfeuer, unterhalte mich angeregt beim Essen und habe total die Zeit vergessen. Da kommt eine junge Frau angestürzt und verkündet lauthals: "Der Panny hasst Kinder"!

Was war geschehen? Während Panny seinen Vortrag in der Scheune/Veranstaltungshalle vor ca. 70-100 Zuhörern hielt, war auch eine Frau mit einem penetrant schreienden/quengelndem Kind anwesend. Irgendwann wurde es Panny zu bunt und er bat die Frau den Saal zu verlassen. Sie wartete dann im Eingangsbereich, das quengelnde Kind immer noch in Hörweite.

Das finde ich zumindest heraus, nachdem ich überhastet aufbreche und mit meiner halben Flasche Rotwein in der Hand, dorthin eile. Ich finde zum Glück noch einen Stehplatz hinter dem Tresen.

Der Vortrag ist  klasse, auch wenn ich (wegen des blöden Kindes) nicht alles verstehe. Danach kommt noch ein Vortrag über 30 Tage Russland, den finde ich auch extrem gut (erzählt).

 

Danach gehen wir alle zum Campingplatz zurück, viele auch direkt ans Lagerfeuer. Dort wird noch stundenlang gequatscht und gefeiert. Irgendwann werde auch ich müde und verziehe mich in meinen Schlafsack im Zelt.

 

Am nächsten Tag packe ich meine Klamotten und baue das Zelt wieder ab. Allein die Isomatte dauert 10min. Die Rückfahrt  auf feuchter Straße und Nieselregen ist nicht so prickelnd. Ab der B9 hört der feine Regen auf und sogar die Sonne kommt heraus. Kurz vor Bonn muss ich das erste mal tanken (430km). Dann weiter bis Wesseling, kurz über die Autobahn und schon bin ich wieder zu Hause.

Fazit: Tolles Wochenende mit vielen interessanten Menschen.

Zelt sollte neu, Schlafsack muss neu, BW-Kocher kann zu Hause bleiben. Isomatte ist OK, leider sehr großes Pack Maß. Gut wenn man zivile Kleidung dabei hat. Die ganze Zeit in Motorradklamotten und Stiefeln herum zu laufen, ist quatsch.

Eine Sitzgelegenheit habe ich echt vermisst....