Cuenca, Riobamba, Banos

08.02-13.02.2008

Wir starteten in Richtung Berge auf unserer Oromoto. Mit neuem Öl, mal wieder angeschweißtem Auspuff und noch intakter Bremse. Der Drehzahlmesser tanzte mit dem Tacho um die Wette, als wir morgens auf der Autopiste östlich in die Berge fuhren. Der Himmel war bewölkt, die Straße gut und der Verkehr mäßig. Bei Tauro bogen wir nach Süden ab und vor uns tauchten am Horizont die Berge auf, in dicke Wolken gehüllt. Wir machten eine kurze Rast am Straßenrand, stärkten uns mit Wasser und Pan, dann zogen wir uns unsere chinesischen Regenklamotten an. Die hatten wir in der City von Guayas für 6,50$ gekauft und zur unserer Reiseausrüstung hinzugefügt. Die Qualität war schlecht, sie waren an den Nähten undicht und gingen schon nach dem ersten tragen kaputt. Es gab aber nichts besseres zu kaufen und so flickten wir sie immer wieder neu mit Tape.

nach puerto inca

Weiter ging es vorbei an Bananenplantagen bis Puerto Inca, danach bogen wir östlich ab, die Straße wurde schlechter, der Verkehr minimal. Dann ging es, bei stärker werdendem Regen, in den Djungel und die Berge. Es wurde neblig, die Schlaglöcher mehr und die Straße immer steiler. Zwischendurch gab es immer Abschnitte, wo die Straße gerade erst wieder aus dem Berg gegraben wurde, die Baumaschinen fuhren noch auf der Straße und der Schlamm war knöcheltief. Sturzbäche liefen die Straße runter, aber die Oro kämpfte sich tapfer den Berg rauf. Leider konnten wir kein Foto machen, die Cam ist nicht wasserdicht. Ein gutes Stück weiter oben wurde der Regen schwächer, es fieselte nur noch. Dafür wurde es immer nebliger. Wir machten eine Pause und stärkten uns erstmal.

Als wir wieder los fahren wollten, merkte ich, das die Oro trotz voll getretener Hinterbremse Rückwärts rollte. Die Vorderbremse bockierte, aber der Bock rollte immer weiter zurück. Also Kupplung kommen lassen und weiter geht´s. Ich fluchte vor mich hin, aber meine Frau hatte zum Glück nichts bemerkt! Es ging immer steiler Bergauf, dann hörte der Regen auf und auch der Nebel. Dafür wurde es kalt! Wir machten noch eine Pause und zogen noch mehr warme Klamotten an. Die Sachen, die wir an hatten waren komplett durchnässt. Ich hatte das Gefühl, das mir das Wasser aus den Schuhen oben wieder raus läuft! Dann ging es hinauf in den Nationalpark "El Cajas" auf 4500m. Die Straße steil, die Oro schwächelte, lief aber sauber, wenn auch mit halber Leistung. Wir litten mehr! Durch die durchnässten Klamotten froren wir und klapperten mit den Zähnen. Oben eine kurze Rast und ein Paar Fotos. Danach weiter, es war windig und uns war kalt. Auf der anderen Seite war es aber sonnig und wir genossen die Sonne während wir vorsichtig zu Tal rollten. Der Park ist sehr schön, sieht für mich aber aus, wie alle anderen Hochplateaus...Bin halt ein Kulturbanause!

nach dem Regenunter CajasCajasCuenca

In Cuenca stoppten wir an einer Tankstelle füllten die Oro und erkundigten uns nach dem Weg in die Altstadt. Dort angekommen, suchten wir verschiedene Hotels ab um eine günstige Bleibe zu finden. Schließlich landeten wir im Hostal "Rooms for Rent" für 5$ pro Person, Calle Larga 5-79 y Hermano Miguel, gegenüber einer Tienda(Kiosk), die den Eigentümern gehört. Wir blieben 3 Tage und wollten gar nicht mehr weg. Super Aussicht, nette Eigentümer, Küche und Fernsehzimmer, Etagendusche&WC. Optimales Preis-Leistungsverhältnis.. Essen gehen für 1,50$ pro Person, 600 ml. Pilsener Flasche für 70 Cent.

Hier ein kurzes Video mit dem Blick nach hinten raus: https://vimeo.com/120526042

 

hotelZimmerCalle largaCalle larga

Wir besichtigten das Museum Pumapungo (3$). Wir wollten eigentlich noch länger bleiben, hatten aber keine Zeit. Danach konnten wir nicht hin, weil die Straße dauernd gesperrt war. Im Hotel trafen wir ein nettes Pärchen. Er Pole, sie Spanierin, die waren schon Monate da. Eine große Gemeinschaftsküche in der man gemütlich Frühstücken und richtigen Kaffee kochen konnte, ein großes Waschbecken um unsere Klamotten zu waschen und anschließend auf dem großen Balkon aufzuhängen! Abends Fernsehen im Gemeinschaftsraum und unsere Lieblingstelenovela gucken! Die tolle Aussicht auf den Fluss und die Stadt und die Berge... ich könnte noch Stunden weiter schwärmen! (Die 8 Fotos oben sagen aber mehr aus!)

 

Bei einem Bummel durch die Altstadt durfte ich noch eine Kompaktstereoanlage kaufen, die ich dann irgendwie auf der Oromoto unterbringen musste. Na ja, die war ja eh schon total überladen...

Von Quenca fuhren wir auf der Pan in Richtung Norden, wieder rauf in die Hochanden, eine landschaftlich schöne Strecke mit etwas Verkehr. Die Pan ist zeitweise nur noch Nebenstrecke, weil es inzwischen modernere Straßen gibt. Kann mir nur Recht sein, weniger Verkehr auf der Pan. Ich gab Vollgas und prügelte die Oro mit 80-90 km/h die Anden rauf. Es ging immer wieder durch kleinere Dörfer und Städte, die Straße ist teilweise gut befahrbar.

PanPanPanamericanaPanamericana

Vor Tambo machten wir bei schönstem Sonnenwetter eine Rast, östlich ging der Weg zu den Ruinen von Ingapirca. Da wäre ich gerne hin, aber mit der überladenen Maschine und meiner Frau hinten drauf, über den steinigen Pfad den Berg rauf, das traute ich mich nicht und es hätte wieder nur Stress gegeben. Nach einer Rast fuhren wir den Berg wieder runter in Richtung Alausi. Erst Wolken, dann Regen, dann Schlammfluten und Bagger. Sie hatten nach Erdrutschen die Straße frisch aus dem Berg gegraben. Aber immerhin kamen wir bis Alausi. Dort noch eine Rast und tanken. Dann weiter in schönsten Serpentinen den Berg wieder rauf auf´s nächste Plateau, dann wieder runter bis Riobamba. Wir checkten in einem billigen, aber schönen Hotel (16$) westlich des Bahnhofs ein. Nach dem die Oromoto sicher verstaut war, gingen wie in die City.

Abzweig Incapircabei Ingapirca

Der Vulkan Tungurahua war wieder mal ausgebrochen, das hatten wir schon aus dem Fernsehen erfahren. Jetzt konnten wir es live sehen, hören und riechen. Ein permanenter Ascheregen rieselte auf die Stadt und die Menschen trugen Schutzmasken. Na ja, die trugen wir beim Motorrad fahren eh immer! Wir aßen in einer leckeren Pizzeria richtige echte Pizza, wie beim Italiener, nur das WC bewies, das wir in Ecuador sind.

unter dem Vulkanunter dem Vulkan

Am nächsten Vormittag machten wir einen Ausflug ohne Gepäck in Richtung Norden, auf den Berg neben dem Tungurahua, um näher an den Vulkan zu kommen. Wir fuhren kleine, kurvige Bergsträßchen, auf der die Vulkanasche zentimeterhoch lag. Oben angekommen hörten wir den Vulkan grollen. Sehen konnten wir ihn leider nicht, weil alles unter einer dicken Wolkendecke lag. Dafür rieselte uns die Asche auf die Helme. Wie fuhren einen Bogen nach Westen und irgendwann waren wir wieder auf der Pan von wo aus wir zurück zum Hotel fuhren! Wir verbrachten noch einen ruhigen Tag in Riobamba, am nächsten morgen checkten wir aus.

Video der Rundfahrt unter dem Vulkan: https://vimeo.com/119963317

 

Wir fuhren nach Norden, die kurze Strecke nach Banos, die ich auf meiner "berüchtigten" Straßenkarte entdeckt hatte. Inzwischen kannte ich Riobamba gut genug, so das ich den richtigen Weg aus der Stadt raus fand. Straßenschilder sind in Ecuador Mangelware. Wir fuhren eine ruhige Straße direkt unter dem Vulkan immer steiler den Berg hinauf. Weiter oben wurde die Straße schlechter und immer mehr von Vulkanasche bedeckt. Dann ging es leider nicht mehr weiter. Die Straße war weg, nur noch Asche so weit das Auge reicht. Wir fuhren ein Stück zurück, bogen ab ins nächste Dorf. Dort sagte man uns, die Straße sei komplett vom Vulkan verschüttet und gesperrt! Von Absperrungen hatten wir nichts gesehen. Egal, wir mussten zurück. Unterwegs hielten wir noch für ein leckeres Mahl in einem schönen Restaurant und fuhren nach Riobamba zurück. Wir nahmen wieder die Pan. Rauf in die Hochanden, immer noch bitterkalt, dann wieder runter und die alte Strecke bis Banos! Unterwegs hatten wir noch einen super spektakulären Blick auf den aktiven Vulkan, ohne störende Wolken.

In Banos buchten wir in einem preiswerten Hotel (Posada del Arte 20$) ein, parkten die Oro sicher im Hof und verbrachten einen schönen Abend im Ort. Am nächsten Morgen stand ich zeitig auf um die umliegenden Berge mit dem Motorrad zu erkunden. Zunächst fuhr ich die Straße zum Luna Runtun und noch weiter hinauf, bis es mir zu steil und zu rutschig wurde. Die Straße rauf zum Runa Runtun ist phantastisch, neu geteert, tolle Landschaft und viele Kurven! Das Luna Runtun ist ein Luxusspa für reiche Ecuadorianer und Touristen, wer 200$ zu viel hat, kann dort einchecken und die tolle Aussicht auf Banos genießen!  Danach wieder langsam runter, ich hatte ja nur noch eine Bremse!

 

Wieder zurück im Ort fuhr ich  über die San-Francisco-Brücke im Norden. Dort gibt es einen schmalen Schotterweg, rauf auf den gegenüber liegenden Berg. 180° Kurven steil den Berg rauf, einspurig, ohne Beifahrer und ohne Gepäck! 20 Minuten Adrenalin pur!!! Es erinnerte mich an eine Enduromission aus dem Computerspiel GTA-San Andreas! Ob die Programmierer mal hier waren? Unterwegs überholte ich einige Taxis, die kamen auf dem Schotter nicht so gut zurecht wie ich. Der Ausblick auf Banos ist super, man sieht von dort sogar runter bis zum Luna Runtun und den Tungurahua.

 

Video: Blick von oben auf Banos und Vulkan Tungurahua: https://vimeo.com/120192887

Gegen Mittag war ich zurück und ging mit meiner Frau Essen. Wir machten uns einen schönen Tag und blieben noch eine Nacht. Im Ort kann man zahllose Freizeitaktivitäten betreiben: Quad fahren, Rafting, Pferde reiten und Wanderungen in die Berge, es gibt mehrere Freibäder. Am Wochenende wird in der City lautstark Party gemacht, laute Musik, Stau und viele Betrunkene bis in den Morgen. Daher besser ein Hotel etwas außerhalb am Wasserfall wählen.

Wie z.B. das "Isla del Banos", ein schönes und sauberes Hotel mit deutschem Manager. Es ist mit 25$  vergleichsweise teuer. Daher wird es auch zumeist von deutschen Touristen gebucht. Weil es in einer Sackgasse außerhalb des Stadtzentrums liegt, ist es Nachts sehr ruhig und man kann mit offenem Fenster schlafen. Aber dahinter gibt es aber eine Schule. Die singen morgens um 8 Uhr die Nationalhymne im Schulhof, danach bringt einen der Papagei mit Mark erschütternden Geräuschen um den Schlaf!

Am nächsten Morgen fuhren wir zurück. Wir fuhren über Riobamba, weiter bis Alausi und bogen dann erst von der Pan ab. Über Huigra, die  Strecke hatte ich schon mal mit dem D-Max gefahren, sie dauert länger, hat aber kaum Verkehr und weniger Schlaglöcher. Außerdem hatte ich die miese Hoppelpiste über Bucay satt. Die Strecke ist wirklich sehr schön, man kommt an mehreren schönen Wasserfällen vorbei, die bei Touristen total unbekannt sind. Einer ist in der Nähe von Huigra. Ein kurzes Video stelle ich unten ein.  Schon der Anfang den Berg hinauf gegenüber von Alausi in langen Serpentinen ist fantastisch. Die Straße (47) Alausi-Huigra-M.J. Calle  war aber in den Straßenkarten und Google nicht als durchgehend aufgeführt und daher bei Touristen unbekannt. Ist halt eine Nebenstrecke.

Video las cascadas de huigra: https://vimeo.com/120155829

Kurz vor Sonnenuntergang erreichten wir wieder unsere Wohnung in Duran. Ich entlud das Motorrad, danach duschten wir und gingen zum Supermarkt "mi comisariato" um den Kühlschrank zu füllen. Danach holten wir uns an der Straße ein gebratenes Hähnchen mit Reis und Vorspeise zum mit-nehmen für 8$. Mit 2 Flaschen Bier in der Hängematte endete diese anstrengende, aber schöne Reise.

Wir fuhren wir am nächsten Morgen zu Oromoto, um die zahlreichen Defekte beseitigen zu lassen. Die defekte hintere Bremse, tanzender Tacho und Drehzahlmesser, der gebrochene Auspuff und der obligatorische Ölwechsel. Zumindest den Ölwechsel haben sie hin bekommen.